Karneval mit Geschichte
Die KG Herdorf entwickelte sich aus einer langen Herdorfer Karnevalstradition. Ihre Geschichte ist geprägt von ehrenamtlichem Einsatz, kreativen Gruppen, bewegenden Unterbrechungen und einem Rosenmontagszug, der bis heute das Herzstück der Session bildet.
Der Zeitstrahl
Erste Überlieferungen
Die ältesten mündlichen Überlieferungen erzählen bereits in der Mitte des 19. Jahrhunderts vom Karneval in Herdorf.
Dokumentierter Karnevalsumzug
August Düber hielt schriftlich fest, dass ein Karnevalsumzug durch Herdorf zog. Diese Aufzeichnung ist der früheste dokumentierte Beleg.

Erster Prinz Karneval
August Düber wurde zum ersten bekannten Prinzen Karneval in Herdorf.
Gründung des Vereins
August Düber gründete mit Gleichgesinnten den damaligen Karnevalsverein. Viele Gründer kamen aus dem 1870 entstandenen Maiverein, der als Vorläufer der KG gilt.
Unterbrechung durch den Ersten Weltkrieg
Der Krieg brachte die Vereinsarbeit zum Erliegen. Anfang der 1920er Jahre lebte sie wieder auf.
Wieder ein Karnevalsprinz
Die finanzielle Lage erlaubte es dem Verein erstmals nach dem Krieg wieder, einen Karnevalsprinzen zu wählen.
Die Karnevalszeitung
Eine eigene Zeitung begleitet seitdem die Session, kommentiert lokale und politische Ereignisse humorvoll und veröffentlicht die Zugordnung.
Eine Sitzung dank 50 Litern Bier
Aus Geldmangel musste der Rosenmontagszug ausfallen. Eine Karnevalssitzung konnte dennoch stattfinden, weil Gastwirt Johann August Ermert ein Fass mit 50 Litern Bier stiftete.
Karneval fällt vollständig aus
Die weiterhin schwierige finanzielle Lage führte dazu, dass in diesem Jahr kein Karneval gefeiert wurde.
Alfons der Ewige
Während des Zweiten Weltkriegs ruhte der Herdorfer Karneval. Zahnarzt Alfons Wagner blieb deshalb von 1939 bis 1947 Prinz Karneval und ging als „Alfons der Ewige“ in die Vereinsgeschichte ein.
Neuanfang nach dem Krieg
Vor allem die Theaterabteilung des katholischen Knappenvereins machte sich um den Wiederaufbau des Herdorfer Fastowends verdient. Albert Bingener, Heribert Euteneuer „Meck“, Jupp Düber, Günter Hölper und Franz Zöller stehen stellvertretend für diese Zeit.
Franz Zöller prägte die KG als Präsident, Dichter und Sänger zahlreicher bis heute bekannter Karnevalslieder. Die Wagenbauhalle trägt seinen Namen. Auch der früh verstorbene Präsident Günter Hölper galt in den 1950er- und 1960er-Jahren als außergewöhnliche Bühnenpersönlichkeit.

Elefanten, Zebras und Kamele
Der Zirkus Willi Holzmüller hatte sein Winterquartier in Siegen und kaum Futter für seine Tiere. Die KG bot ausreichend Futter an, wenn einige Tiere im Rosenmontagszug mitliefen. So waren in Herdorf tatsächlich Elefanten, Zebras und Kamele zu bestaunen.


Eine neue Generation übernimmt
Mit Norbert Weber, Fritz Kitz, Werner Euteneuer, Heini Hüsch, Erwin Jakobs, Fritz Schönberg, Werner Lang, Josef Stockschläder, Karin Lang, Hermann-Josef Eickhoff, Wolfgang Grüneberg, Arnold Trapp, Peter Schulz, Alfred Erner „Abba“, Bernhard Weller, Rainer Wirth, Lothar Lück und Heribert Eickhoff traten viele neue prägende Namen hervor.
Die KG öffnete sich Neuem, hielt jedoch am ehrenamtlichen Grundsatz fest: Bezahlte Posten gibt es nicht. Tanzkorps aller Altersgruppen, die Garde und die Möhnen, aus denen die heutigen Herdorfer Mädchen hervorgingen, wurden feste Säulen des Vereinslebens.
Finanzielle Zwangspause
Finanzielle Schwierigkeiten zwangen die KG, den Rosenmontagszug und sämtliche Sitzungen abzusagen.
Auferstehung und Prinz Norbert
Herdorf ohne Zug durfte nicht bleiben: Bereits ein Jahr später fanden Sitzungen und Rosenmontagszug wieder statt. Die Pause mobilisierte viele junge Leute und die Zahl der Zugteilnehmer stieg.
Am 11. November wurde Norbert Weber zum Prinzen gewählt. Seine Mutter entdeckte am nächsten Morgen Mütze, Orden und Zepter in der Küche und erfuhr so von seiner neuen Würde. Weber wurde später Ehrenpräsident und wirkte außerdem als Präsident, Liedermacher, Büttenredner sowie als Kopf der Gestreiften und der Dollen Böcke. Gemeinsam mit seiner Frau Hannelore begeisterte er unter anderem mit „Komm einmal ins Hellertal, wo man feiert Karneval“.

Die Gestreiften
Mit Gesang und Showeinlagen wurden die Gestreiften zu einem Glanzpunkt jeder Veranstaltung. Legendär war ihr Ballett als Ballerinas in Tüll.
Bei einem Auftritt des Regionalverbands in Gladbach bei Neuwied teilten sie sich eine Umkleide mit dem Wissener Tanzkorps. Zum Scherz behaupteten sie, ihre BHs vergessen zu haben, und baten die Tänzerinnen um Leihgaben. Der Scherz flog kurz vor dem Ausziehen auf. Die Gestreiften traten wie gewohnt auf und wurden zum Höhepunkt des Abends.

Domspatzen und Bockorden
Kaplan Siebenborn gründete aus einer Schola junger Männer die Herdorfer Domspatzen. In Frack und Zylinder verbinden sie seitdem musikalische Parodie mit einem humorvollen Spiegel für lokale Ereignisse und Personen.
Seit demselben Jahr vergibt die KG alle drei Jahre den „Großorden für Frohsinn und Humor“, kurz Bockorden. Er ist grundsätzlich Persönlichkeiten vorbehalten, die nicht Mitglied der KG sind. Zu den Geehrten gehören unter anderem Peter Altmeier, Bernhard Vogel, Peter Hussing und Kaplan Helmut Mohr. Die einzige vereinsinterne Ausnahme blieb Edmund Ermert „Asmann“.

Mitglied im RKK
Die KG trat dem Regionalverband Karnevalistischer Korporationen Rhein-Mosel-Lahn bei. Der RKK ist mit weit über 1.000 angeschlossenen Vereinen und mehr als 600.000 Mitgliedern der größte selbstständige Regionalverband Deutschlands.
Die Dollen Böcke
Nach dem angekündigten Rücktritt der Gestreiften gründeten Jupp Düber und Norbert Weber noch am selben Abend gemeinsam mit Clemens Schlosser, Wolfgang Grüneberg sowie Thomas und Uli Düber eine neue Gruppe. Als Gitarrist kam der damalige Prinz, Gardeführer und spätere Präsident Alfred Erner hinzu. Schon der erste Auftritt der Dollen Böcke wurde stürmisch gefeiert.

Bockorden für Edmund Ermert
Edmund Ermert „Asmann“ erhielt als bislang einziges KG-Mitglied den Bockorden. Ausgezeichnet wurde seine mehr als 50-jährige Teilnahme am Rosenmontagszug, meist als skurriler und stets origineller Einzelkämpfer. Nach ihm ist auch der Edmund-Ermert-Pokal benannt.
Der Edmund-Ermert-Pokal
Die Auszeichnung des besten Zugbeitrags mit einem Wanderpokal entwickelte sich zu einer Erfolgsgeschichte und steigerte das Niveau des Rosenmontagszugs deutlich. Erster Gewinner war der Stammtisch „Köln-Düsseldorfer“. In späteren Jahren gewannen unter anderem mehrfach die Karnevalsfreunde Dermbach und die DJK Herdorf.
Nadda Jöhh!
Unter der Führung von Gardeführer Alfred Erner „Abba“ brachte die Prinzengarde mit ihrem Gardelied „Nadda Jöhh, so heißt es hier in Herdorf“ jeden Saal zum Kochen.
Der 111. Rosenmontagszug
Die KG feierte den 111. Rosenmontagszug ganz groß. Der Zug blieb das Herzstück des Herdorfer Karnevals und zog regelmäßig 15.000 bis 25.000 Zuschauer in die Hellermetropole. Der nächste ähnlich närrische Termin wäre der 1.111. Zug im Jahr 2991.
Sturm, Regen und ein kleiner Zug
Ein Sturmtief mit dauernden Wolkenbrüchen zwang die KG zur Absage des offiziellen Rosenmontagszugs. Einige Fußgruppen, angeführt von den Bollmichs, marschierten dennoch in durchnässten Uniformen und Kostümen durch Herdorf. Zudem berichtete die Landesschau Rheinland-Pfalz über die Prinzenwahl des Jahres.
Absage wegen des Golfkriegs
Nachdem Köln, Düsseldorf und Mainz ihre Umzüge abgesagt hatten, schloss sich der Karnevalsverbund Westerwald-Sieg an. Deshalb fiel auch der Herdorfer Rosenmontagszug aus.
100 Jahre KG Herdorf
Zum Jubiläum wählte das Narrenvolk mit der aus Holland stammenden Prinzessin Marie Louise I. ein Oberhaupt mit internationalem Flair.
Gefeiert wurde mit einem Festabend im Hüttenhaus und einer Kölschen Nacht auf der Knöstplatte mit De Räuber, Die drei Colonias und den Bluebirds. Am 30. Mai zog bei strahlendem Sonnenschein ein großer Festzug mit befreundeten Karnevalsvereinen vom Hüttengelände zum Marktplatz.
Letzte Prinzenwahl
Im Knappensaal fand die letzte Wahl einer Tollität durch alle Mitglieder statt. Weil vorgeschlagene Kandidaten in den Vorjahren häufig ablehnten, beschloss der Vorstand, Tollitäten künftig zu proklamieren. Das letzte gewählte Prinzenpaar waren Prinzessin Sonja I. und Prinz Andreas I. „Andy“.
Lena und Leon werden Deutsche Meister
Begonnen hatte alles 2003/2004 mit einer kleinen Tanzeinlage der damals sechsjährigen Lena-Marie und Leon. Aus dem Kindertanzpaar wurde Jahr für Jahr ein ambitioniertes und erfolgreiches Turnierpaar.
Nach Platz fünf bei der Deutschen Meisterschaft 2009 und Platz vier 2010 gewannen sie 2011 in Mülheim-Kärlich den deutschen Meistertitel. In diesem Jahr siegten Lena und Leon bei allen sieben Turnieren, an denen sie teilnahmen.

Gründung des Fördervereins
Zwölf Gründungsmitglieder riefen den gemeinnützigen Förderverein der KG Herdorf e.V. ins Leben. Er unterstützt die KG ideell und finanziell.
Aufwendige Kostüme für Prinzenteams, Garde und Tanzcorps sowie die hohen Kosten des Rosenmontagszugs lassen sich nicht allein aus Mitgliedsbeiträgen tragen. Genau hier entlastet und fördert der Förderverein die KG.
Sturmwarnung am Rosenmontag
Prinz René I. „Schniedel“ musste auf seinen Rosenmontagszug verzichten. Während der Rathausstürmung warnte der Deutsche Wetterdienst vor Sturm mit Böen über 100 km/h und Regen. Die KG sagte den Zug deshalb kurzfristig zum Schutz aller Beteiligten ab.
Am Nachmittag blieb es deutlich ruhiger und die Sonne zeigte sich. Einige Hundert Narren zogen daraufhin spontan, angeführt von den Bollmichs und ohne Wagen, durch Herdorf.
Drei neue Gruppen
Die Herdorfer Mädchen wurden als Gemeinschaft engagierter Frauen gegründet, die den Karneval und das Vereinsleben gemeinsam genießen und die KG bei ihren Veranstaltungen unterstützen.
Aus einer geselligen Runde entstanden die Rhythmus Maschinen. Im selben Jahr wurde mit den Jumbos auch das vereinseigene Männerballett gegründet, das seitdem mit humorvollen Tänzen für Stimmung sorgt.
Corona unterbricht die Session
Die Pandemie verhinderte eine neue Tollität, Prinzenparty und Sessionseröffnung auf der Knöstplatte. Im 116. Vereinsjahr konnte die Session 2020/2021 nicht beginnen. Prinz Peter IV. blieb deshalb weiter im Amt.
Prinz Ralf und die digitale Sitzung
Im Oktober 2021 wurde Prinz Ralf I. „Charly“ proklamiert und am 11. November begann die Session bei Sonnenschein auf der Knöstplatte. Nur drei Wochen später kehrte Corona zurück und der Karneval fiel erneut aus. Eine Sitzung fand online statt.
Ralf blieb Prinz und zog am 11. November 2022 ein zweites Mal als Tollität auf der Knöstplatte ein. Sein Ziel war eine vollständige Session mit Sitzungen, Einmarsch zum „Treuen Husar“ und endlich dem Rosenmontagszug auf dem Prinzenwagen.
Gemeinsam weiter
Tanzgruppen, Wagenbau, Sitzungen, Förderverein und Rosenmontagszug tragen die Herdorfer Karnevalstradition gemeinsam in die Zukunft.
Komm einmal ins Hellertal
Die Vereinsgeschichte lebt durch Erinnerungen und das Engagement vieler Herdorfer Karnevalisten.
Geschichte unseres Karnevals