Chronik der KG Herdorf                                                                                                                                                                            

Über 100 Jahre organisierter Karneval in Herdorf, oder Fastowend, wie es an der Heller heißt, sind Anlass genug, einen Streifzug durch die Karnevalsgeschichte zu machen, Männern und Frauen zu gedenken, die mitgearbeitet haben, altes Brauchtum zu erhalten, Neuerungen durchzusetzen, die einmalige Spezies „Herdorfer Karneval“ mit Leben zu erfüllen und weiter leben zu lassen. Dabei wird in Herdorf eine besondere Eigenart deutlich: Da nach dem 30-jährigen Krieg das Heimatgebiet weitgehend entvölkert war, riefen die lokalen Potentaten Bergleute aus dem mittelfränkischen Raum – daher das Herdorfer Platt – und aus Böhmen an die Heller. Rheinischer Frohsinn und böhmische Musizier- und Fabulierkunst haben seither bunte Blüten getrieben, eine der Wurzeln des Herdorfer Karneval. 

Über den Ursprung des Namen ist man sich nicht einig. Ob Karneval etwas aus dem lateinischen Carne vale (Abschied vom Fleisch) oder mit dem carrus navalis, dem römischen Narrenschiff zu tun hat, ist letztlich auch gleichgültig. Die Fastnacht war ursprünglich ein germanisches Frühlingsfest. Vermummung und Maskierung hatte den Sinn, böse Geister abzuwehren, sich für diese unkenntlich zu machen. Mit Rasseln, Pfeifen und Trommeln wurden die bösen Unruhestifter vertrieben, Bräuche, die heute noch im alemannischen Sprachraum zu Hause sind.

Einen besonderen politischen und sozialen Aspekt erhielt der Karneval nach 1848. Man äffte nach der gescheiterten Revolution höfisches Gehabe nach. Das Volk war erheitert, die Oberen knirschten mit den Zähnen. Die Dynastien wurden durch die Wahl des Prinzen Karneval karikiert, dazu gab es reichlich Orden, eine Garde mit Holzgewehren, ein Tanzkorps mimte das höfische Ballett, es gab einen Hofmarschall, Begleiter, den Zeremonienmeister, ein Zepter (meist mit einem Narrenkopf geschmückt), Fahnenträger und einen Präsidenten. Symbole und Erscheinungsformen haben ihren Sinn längst eingebüßt sie sind zum Selbstzweck, zu karnevalistischer Tradition geworden. Der Rosenmontagszug prangerte damals die teuren Umzüge der Herrschenden an. Das alles war in Herdorf freilich eine Nummer kleiner. Aus dem Jahre 1500 liegt für den Heimatraum eine Urkunde vor, in der „fastnachtsreyen, spinnstuben und derlei veranstaltungen“ verboten wurden. Man fürchte um die Moral (wahrscheinlich aber mehr um die Arbeitskraft) und mit 20 Gulden Strafe wurden, „verbrechende personen“ belegt. Obs wirklich so „onzüchtig“ hergegangen ist, muss sehr bezweifelt werden.

Die älteste mündliche Überlieferung für den Karneval in Herdorf stammt aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. Schriftlich hat der Gründer der Karnevalsgesellschaft, der Fuhrmann August Düber, festgehalten, dass 1878 ein Fastnachtszug durch Herdorf gegangen ist. Zuvor hat es bereits „Eckenzüge“ gegeben, getreu dem Kölner Vorbild. Dem Kölner „Fasteleer“ fühlte und fühlt sich die KG von Anfang an verbunden.

1898 gab es mit August Düber auch den ersten Prinz Karneval. Er war es auch, der mit etlichen Gleichgesinnten 1904 die Karnevalsgesellschaft – damals noch Karnevalsverein – aus der Taufe hob. Die Gründer des neuen Vereins stammten samt aus dem 1870 ins Leben gerufenen Maiverein, der somit als Vorläufer der KG gilt. In diesem residierte auch ein Bergmann aus Atzelgift, Rickes genannt, ein Mann mit Witz und Humor. Das „Rickeslied“ und die „Rickesfahne“ hergestellt vom Kunstmaler Fritz Brühl, sind bei der KG heute noch im Schwange. Der erste Weltkrieg unterbrach jäh die Vereinsarbeit, die erst Anfang der 20er Jahre wieder auflebte. Das erhaltene Protokollbuch gibt Aufschluss über die Freuden und Nöte des Vereins. 1925 wurde wieder ein Prinz gewählt, 1932 fiel der Karneval aus Geldmangel aus, ebenso noch einmal 1961. 1991 schließlich ließ man wegen des Golfkrieges das bunte Treiben ausfallen. Der Rosenmontagszug musste aus Geldmangel 1930 abgesagt werden. Eine Karnevalssitzung konnte nur stattfinden, weil Gastwirt Johann August Ermert ein Fass mit 50 Litern Bier gestiftet hatte.

In den 30er Jahren wurde es „schick“, Prinz Karneval zu sein. Die längste Amtsperiode hatte wohl Zahnarzt Alfons Wagner, auch „Alfons der Ewige“ genannt. Bedingt durch den Krieg war er Prinz Karneval von 1939 bis 1947. Seit 1928 gibt es auch eine Karnevalszeitung mit wechselnden Namen. Sie spiegelt den Zeitgeist wider, nimmt politische, wirtschaftliche und lokale Begebenheiten „auf die Schippe“. Dass der Karneval in den schwierigen Zeiten vor dem Zweiten Weltkrieg überhaupt am Leben blieb, ist Männern wie Karl Stein, Bernhard Krämer, Franz Löhr, Josef Bender, Alfons Wagner und Otto Kötting, um nur einige zu nennen, zu verdanken. Nach dem Krieg war es vor allem die Theaterabteilung des Kath. Knappenvereins, die sich um den Fastowend verdient machte. Namen wie Albert Bingener, Heribert Euteneuer (Meck), Jupp Düber, Günter Hölper und Franz Zöller stehen für diese Zeit. Franz Zöller war ein Glücksfall für die KG. Der damalige Präsident ist als Dichter und Sänger von Karnevalsliedern, die heute Allgemeingut sind, in die Annalen  eingegangen. Die Wagenbauhalle der KG trägt seinen Namen. Der leider viel zu früh verstorbene Präsident Günter Hölper suchte seinesgleichen auf den karnevalistischen Bühnen der Region. In den50er und 60er Jahren trat die alte Garde ab, neue Namen tauchten auf. 

Das waren der damalige Präsident, Liedermacher, Büttenredner und Chef der „Gestreiften“, später der „Dollen Böcke“, Norbert Weber, Fritz Kitz, Werner Euteneuer, Heini Hüsch, Erwin Jakobs, Fritz Schönberg, Werner Lang, Josef Stockschläder, Karin Lang, Hermann-Josef Eickhoff, Wolfgang Grüneberg, Arnold Trapp, Peter Schulz, Alfred Erner, Bernhard Weller, Rainer Wirth, Lothar Lück und Heribert Eickhoff. Viele, viele hätten es natürlich auch noch verdient, genannt zu werden.

Der Verein ist immer mit der Zeit gegangen, hat sich Neuem aufgeschlossen, ohne einen Grundsatz zu verletzen: Die Arbeit geschieht ehrenhalber, bezahlte Posten gibt es in der KG nicht. Nicht mehr hinweg zu denken aus dem karnevalistischen Geschehen sind die Tanzkorps, von den Allerkleinsten bis zum großen Tanzkorps. Viel junge Frauen und Mädchen haben hier Engagement, Fleiß und Liebe zur Musik und Tanz eingebracht. Standhaft gibt sich die Garde, immer mit dabei auch die Möhnen.

Die Qualität der Rosenmontagszüge hat mit der Schaffung des Edmund Ermert Pokals erheblich gewonnen. Seit 1965 gibt es auch einen „Großorden für Frohsinn und Humaor“, den Bockorden, der nur alle drei Jahre vergeben wird. So Prominente Persönlichkeiten wie Zahnarzt Dr. Albert Lück, Hüttendirektor Heinz Bernd, Ministerpräsident Dr. Peter Altmeier, Ministerpräsident Bernhard Vogel, Ehrenbürger Alfons Mockenhaupt, Box-Europameister Peter Hussing, Maler Walter Helsper, Bürgermeister Hans Otto Otten, Sitzungspräsidentin des Frauenkarnevals Annemarie Quast , der ehemalige Wirtschaftsminister von Rheinland-Pfalz Arthur Bauckhage und zu letzt der ehemalige DJK-Vorsitzende Norbert Buschmann tragen und trugen die begehrte Auszeichnung. Neben der Karnevalsgesellschaft haben auch die Veranstaltungen der DJK Herdorf, der KfD, der Dermbacher und Sassenrother Ortsvereine, der „Oberstädter“, die Aktivitäten der in 2002 in „Rente“ gegangenen „Dollen Böcke“ und der unentwegt tätigen „Domspatzen“ dazu beigetragen, Herdorf als karnevalistische Hochburg im Heimatgebiet zu erhalten und weithin bekannt zu machen.

Allen Besuchern der Veranstaltungen in der „fünften Jahreszeit“ in Herdorf darf man mit dem verstorbenen Dichter Franz Zöller zu rufen: „Komm einmal in Hellertal, wenn man feiert Karneval“ oder auch: „So was schönes gibt es nur  in Herdorf“. Und das schon seit über 100 Jahren. Die Festtage „100 Jahre Karneval in Herdorf“ im Mai 2004, waren für Aktive und Gäste auch ein unvergessenes Erlebnis. Denn bei strahlendem Sonnenschein und 25 ° warmen Temperaturen wurde vom 28. Mai 2004 bis zum 30. Mai 2004 der vergangen 100 Jahre und der Zukunft der Karnevalsgesellschaft gewidmet.

 

Ehrenpräsident Norbert Weber erinnert sich:

Sonntag, 11. November 1962

Meine Mutter kam aus der Frühmesse. Beim gemeinsamen Frühstück sprach sie mich an. Mit leicht kölschem Dialekt fragte sie: „Watt han ech heut morjen jehürt, du wills Prinz wärde?“ Meine knappe Antwort: „Wenn ich gewählt werde“. „Unterstann dich“, mit diesen zwei Worten beendete meine Mutter das Gespräch.
Tagsüber waren meine Eltern verreist. Am Nachmittag wurde ich in der Hüttenschänke zum Prinzen Karneval gewählt. Abends war im Hause Ermert die erste karnevalistische Veranstaltung der Session. Neben Büttenreden und Gesangseinlagen war einer der Höhepunkte die Vorstellung des neuen Prinzen. Als ich weit nach Mitternacht nach Hause kam, schliefen meine Eltern. Montags morgens weckte mich meine Mutter, wie an jedem Wochentag. Nur diesmal war es etwas anders. Sie schüttelte mich wach und sagte: „Watt liegt da in der Küche?, ne Mütze, so ne Orden und nochein komisch Ding (gemeint war das Zepter). Sag bloß, du wärst Prinz?“ Darauf reckte ich mich hoch und verkündete: „das heißt ab sofort: Bitte untertänigst Seine Tollität wecken zu dürfen“. Noch nie habe ich meine Mutter so sprachlos gesehen. Später, als sie in das närrische Geschen einbezogen wurde, hatte sie viel Freude daran. Wenn es irgendwie ging, war sie bei allen Auftritten und Sitzungen dabei.

Die Gestreiften, die von 1963 bis 1977 auf der Bühne standen, zählten damals zu den Glanzpunkten jeder Veranstaltung. Mit Gesang und Showeinlagen begeisterten sie ihr Publikum.

Absolutes Highlight war in einem Jahr das Ballett der Gestreiften. Als urkomische Ballerinas, in Tüll gehüllt, „schwebten“ sie über die Bühne. Das rief zwerch-fellerschütternde Reaktionen hervor, die gestreiften konnten sich vor Angeboten kaum retten.

So kam es, dass die Gruppe beim Bunten Abend des Regionalverbandes Rhein-Mosel-Lahn – des Dachverbandes der Karnevalsvereine – auftreten sollten. Dieser Abend fand in Gladbach bei Neuwied statt.

Das Programm war voll im Gange, es wurde Zeit, sich umzuziehen. Kurioser Weise gab es nur einen etwas größeren Umkleideraum. Ein Türsteher hinderte die Gestreiften am Eintritt mit dem Hinweis, gerade würde sich das Tanzkorps aus Wissen umziehen. Den Gestreiften aber brannte die Zeit auf den Näglen, denn man war vor den Wissener Mädchen im Programm vorgesehen.

Nach Rücksprache mit den Mädchen ließ der Türsteher die Gestreiften dann doch eintreten.

Diesen bot sich ein sehr reizender Anblick, denn das Tanzkorps empfing die Herdorfer in BH und Slip. Da ritt die Gestreiften regelrecht der Teufel. Sie hatten schon manchen Schabernack getrieben, nun war der nächste dran.

Sie öffneten ihre Umkleidekoffer, begannen, darin herum zu wühlen und fluchten mehr oder weniger laut vor sich hin. Schließlich sprach man die Wissener Mädchen an und teilte diesen mit, ein Malheur habe sich ergeben, man habe die BHs in Herdorf vergessen. Nach einigem Herumdrucksen wurden die Tanzkorpsmädchen dann gefragt: “Könnt Ihr uns nicht für einen Auftritt die BHs leihen?“ Die Mädchen berieten sich mit dem Ergebnis, für einen Auftritt die knappen Bekleidungstücke ausleihen zu wollen. Das scheiterte aber daran, dass die Gestreiften plötzlich lauthals zu lachen begannen. Da dämmerte es den Mädchen, dass das Ablegen der BHs in dem einzigen Umkleideraum hätte von statten gehen müssen. Um ein Haar wäre man den Herdorfern auf den Leim gegangen. So traten die Gestreiften dann wie gewohnt mit nackter Brust auf, „schwebten“ über die Bühne und der Erfolg war, auch ohne BH, grandios. „Das war der Höhepunkt des Abends“, wurde später der Gruppe von den Besucherrinnen und Besuchern einhellig bescheinigt.

Nach dem 125. Rosenmontagszug im Jahre 2003 und dem 100 jährigen Bestehen der KG in Jahre 2004 gilt es auch in Zukunft weitere Feste zu feiern. Neben dem närrischen 111 jährigen Bestehender KG wird eines der nächsten das „Zeitungsjubiläum“ sein. Im Jahre 1929 nämlich erschien erstmals eine Karnevalszeitung des damaligen Karnevalsvereins (der nach dem Zweiten Weltkrieg in Karnevalsgesellschaft umbenannt wurde). Nirgendwo hat sich sonst kontinuierlich solch ein Blättchengehalten, immer mit einer stattlichen Auflagenzahl, aber auch immer mit Makel behaftet, äußerst sporadisch, nämlich nur einmal im Jahr zu erscheinen. Das hat die „Freizeitredakteure“ aber nie daran gehindert, närrisches Herzblut in die Spalten fließen zu lassen, der Feder freien Raum zu geben. Das hat nicht selten, in früheren Zeiten aber auch heute, zu Diskussionen geführt, die auch mal in der Drohung gipfelten „man sieht sich vor Gericht wieder“. Nachdem die erste Galle verschluckt war, legte sich meist der Zorn, von einer gerichtlichen Auseinandersetzung ist nie etwas bekannt geworden. Man mag dies gar ein wenig bedauern, was wäre das für eine Reklame gewesen...........!

Eigentlich ist das Geburtsjahr der närrischen Postille der KG Herdorf sogar schon im Jahre 1928 gewesen. Aber damals erschien lediglich eine „Saal-Fastnachtszeitung“, also keine eigentliche und überall erhältliche Karnevalszeitung. Diese gibt es erst seit 75 Jahren. Sie nannte sich im Laufe der Jahrzehnte „Herdorfer Fastnachtszeitung“ (1929), „Der Kritikaster“ (1935), „Ojojo“ (1936), „Herdorfer Fastnachtszeitung“ (1947), „Närrischer Generalanzeiger“ (1949), „Herdorfer Babbel-Kurrier“ (1953), „Herdorfer Karnevalszeitung“ (1954), „Herdorfer Fastowends-Kurrier“ (1960), „Herdorfer Narrenbörse“ (1962) und ab 1974 bis heute „Narrenspiegel“. Einige Herdorfer haben diese Ausgaben gesammelt und besitzen heute einen Band mit großem Seltenheitswert. Darin zu blättern, ist ein wahres Vergnügen. Es fällt auf, dass man früher eine viel deftigere Sprache liebte. Deftig im Sinne von ungeschminkt, nicht etwa von zweideutig oder obszön. 1962 hatte Franz Zöller die Stadtwerdung bereits vorweggenommen, als er meinte „Herdorf wohr fröher ö ahlmorisch Kaff“. Da wurde eine Ziegenbrautfahrt“ des „Ziegenvaters“ Siegfried Wöllner erwähnt. Zur Dorfverschönerung trugen der Vorsitzende des Wandervereins „Glühende Sohle“ und des Goldhamsterzuchtvereins „Blaukehlchen“ bei. Ein Bild konnte nicht gemacht werden, da dem Fotografen vor Rührung die Tränen ins Blitzlichtpulver getropft waren. Begeisterung löst die Jonglage von „Vater Aach“ aus, der dem Westerwaldvereinsjubiläum auf dem Kreuz seine glühende „Stömmel“ durch die Luft fliegen ließ. Weiter gab es so tolle Erfindungen wie einlaufsichere Ohrenschützer, zusammenklappbare Feldklosetts und aufblasbare Zollstöcke. Auch der „Lattenschlag“ eines Nachbarn, dem Raymund Helmert zum Opfer fiel, wurde erwähnt. Ebenfalls ließ die Absicht der Stadt, auf den Mühlwiesen ein Sportzentrum zu bauen, die Karnevalisten nicht ruhen. Sie schlugen vor: Eine Bastehalle für Invaliden, atomgetriebene Waschmaschinen und eine Freiheitsstatue auf dem Kreuz. Auch ein zünftiges Motto für die kommende Kurstadt wurde gefunden: „Wir grüßen die Gallensteine der Welt“.

Zur Zeit des Vorsitzenden Felix Löhr wurde mit dem Blättchen begonnen. Da viele der Schreiber Geschäfte hatten oder lohnabhängig arbeiteten, war dies nicht ohne Risiko, Das „Dritte Reich“ verbot dann auch flugs die Karnevalszeitungen. Franz Zöller arbeitete nach dem Kriege bis zu seinem Tod im Jahre 1972 an den neuen Postillen mit. Wo überall auf der Welt  Auswanderer aus der Stadt auch leben, dahin gelangt auch die Karnevalszeitung. Franz Zöller, Jupp Düber und Rainer Wirth bildeten ein Dutzend Jahre das Autorengespann. Über 30 Jahren war der Ehrenpräsident der KG, Norbert Weber, verantwortlich für den Inhalt des „Narrenspiegel“. Abgelöst wurde er 2009 von Michael Beel.  Neue Techniken und ein neues Format ermöglichen eine moderne Gestaltung. Der „Narrenspiegel“ gibt sich heute bunt, pfiffig, reich bebildert. Er wird auch weiterhin Anekdötchen, Wahres, Halbwahres, Wichtiges und Unwesentliches bringen.

 

Im Jubiläumsjahr der KG erinnerte man sich auch gerne eines Mannes, der vor genau zu diesem Zeitpunkt, vor 25 Jahren die höchste Auszeichnung des Vereins, den „Großorden für Frohsinn und Humor“, kurz Bockorden genannt, erhielt. Es war Edmund Ermert, in Herdorf als „Asmanns Edmund“ bekannt.

Er war eine Ausnahme von der Regel, dass den Bockorden nie ein Mitglied der KG bekommen sollte. Edmund Ermert erhielt ihn für über 50 jährige Teinahme am Rosenmontagszug, den er in der Regel als manchmal skurriler, aber immer origineller Einzelkämpfer mitmachte. Ihm zum Gedächtnis wurde der Edmund-Ermert-Pokla für den besten und originellsten Zugbeitrag in Leben gerufen.

Im Jahre 1979 wurde also der damals 74 jährige Edmund Ermert in den erlauchten Kreis der Ordensritter aufgenommen. Sein Beitrag zum Rosenmontagszug wurde immer schon mit viel Vorfreude erwartet. Meist begeisterte er mit einer Ein-Mann-Schau auf technisch oft sehr gewagten Fabrikaten der Marke „Eigenbau“.

Um originelle Ideen war der Ur-Herdorfer nie verlegen. Schon sein Vater war ein „Fastowendsgeck“ durch und durch. Er nahm zu den Rosenmontagzügen den kleinen Edmund im Rucksack mit, damit der „gohre Jong“ von hoher Warte aus den nötigen karnevalistischen Weitblick bekam. Auch Edmunds Mutter, das „Hannchen“, hatte eien urwüchsigen Humor und machte bis ins hohe Alter das närrische Treiben mit. Während der großen Arbeitslosigkeit schlüpfte Edmund einmal in ein Bärenfell, ließ sich vom Freund Clemens an der Kette führen während der „degge Mertens“ das Tambourin schlug. Abends wurden die gesammelten Pfennige und Groschen brüderlich geteilt.

Auch für gewagtere Dinge war Edmund stets zu haben. Als guter Turner ließ er sich Ende der 40er Jahre nicht lange bitten, als eine Artistengruppe einen mutigen Mann suchte, der eine Motorradfahrt auf einem Seil vom Marktplatz bis zur Kirchturmspitze mitmachen sollte. Der Mitfahrer musste dabei auf einem unter dem Motorrad angebrachten Trapez sitzen. Edmund war sofort Feuer und Flamme, und als er zum Höhenflug startete, rief seine entgeisterte Frau: „Itz weiß ech öt, dau häst nett mi all off der Latte“. Sie fiel anschließend fast in Ohnmacht, als Edmund nicht etwa ruhig auf seinem Trapez sitzen blieb, sondern auch noch auf halber Strecke zur Kirchturmspitze, einen astreinen Handstand fabrizierte.

Ein anderes Mal überraschte er seine Familie – die eigentlich kaum noch zu überraschen war – damit, dass er seine Artistengruppe mit nach Hause nahm. Diese hatte keine Schlafstelle gefunden, Edmund hatte sie kurzerhand eingeladen. Bevor man sich – wo auch immer – zur Ruhe begab, setzte Edmund einen Riesentopf mit Nudelsuppe auf den Tisch. Danach wurde es richtig gemütlich, bis bei einer Artistenfrau die Wehen einsetzten. Um ein Haar wäre Edmund auch noch Pate geworden. Die Frau schaffte es dann aber noch ins Krankenhaus nach Betzdorf.

Asmanns Edmund“ hatte als Mensch und als Narr das Herz auf dem rechten Fleck. Wer ihn gekannt hat, wird immer an einen skurrilen, aber liebenswerten Mann erinnern. Als der Rosenmontagszug in Herdorf vor vielen Jahren einmal wegen Geldmangels in einer Krise steckte, machte er sich nach Köln auf und schmuggelte sich in den dortigen Umzug ein. Er bot den Herdorfern eine verblüffende Schau: Sie sahen ihn abends im Fernsehen.

Edmund Ermert hat in seinem Neffen Hans Ermert einen Nachfolger gefunden. Dieser ist seit 1952 ununterbrochen beim Rosenmontagsumzug in Herdorf mit dabei.